Unser Selbstbild

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Eine Stechmücke in der Sommernacht begreift sich als Zentrum der Welt – so wie es grundsätzlich auch der Mensch tut, trotz eines vorhandenen Bewusstseins, schreibt Richard David Precht. Unser Selbstbild?

Wir alle beobachten uns im Spiegel. In der Pubertät besetzen wir stundenlang das Badezimmer. Wir gucken jeden Morgen und jeden Abend in unser Gesicht, in unsere Augen. Wir lächeln manchmal, zur Probe – doch ein anderes Mal werden wir auf Fotos und in Videoclips „unmöglich“ aussehen! Als ob die Leute uns einfach nicht richtig filmen, oder uns absichtlich ärgern wollen! Und überhaupt: Das soll unsere Stimme auf dem Anrufbeantworter eines Freundes sein? Das sind niemals wir, wer auch immer das ist…

Besonderes Kennzeichen eines möglichst reflektierten und erwachsenen Menschen ist es ja, das Bild von sich durch (gut ausgesuchtes und gut verarbeitetes) Feedback „von außen“, abzugleichen und zu einem möglichst differenzierten „Selbstkonzept“ weiterzuentwickeln. Vereinfacht also:
Selbstbild + Feedback = Selbstkonzept.
(Leider können Menschen wiederum auch nur von Menschen reflektiert werden).

Wie schwer das nun ist, sich in seinem Selbstkonzept immer weiter zu verstehen und zu begreifen, das erlebt jeder Mensch, jeden Tag.
Auch ist es eine Illusion zu glauben, wenn man eine „Selbstkonzept-Erkenntnisstufe“ (auf einer imaginären Leiter der diesbezüglichen Entwicklung) erreicht hätte, dass man dann dort sicher sei – und nicht auch wieder mal abwärts gerät! Ich will sagen: Man gerät sehr wohl mal wieder abwärts (und klettert dann wieder aufwärts) – es ist ein dynamisches Modell: Abhängig von allen möglichen Umständen und natürlich den eigenen Gefühlen kann man sich auch als sehr „reifer“ Mensch herrlich unreif benehmen.

Falls Ihnen das mal wieder passiert, genießen Sie es ruhig auch ein bisschen.

Und was passiert, wenn unser Selbstkonzept auf „Erwartungen“ und „Anspüche“ trifft – dazu demnächst mehr.

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