Die Formel für unser Selbstwertgefühl

Selbstwertgefühl

1) Wir entwickeln unser „Selbstkonzept“ und gleichen dies auch weiterhin mit Reaktionen auf uns ab (Artikel vom 27.03.).

2) Wir entwickeln ein Ich-Ideal, als Surrogat aus fremden und unseren eigenen Ansprüchen und Erwartungen (Artikel vom 30.03.).

Doch wie ist das nun mit unserem „Selbstwertgefühl“?

Die deutsche Sprache hilft uns, wie so oft in diesem Philosophenland: Es ist wohl eher ein Gefühl, so wie ein „Stuhlbein“ auch eher ein Bein ist. Doch ich versprach eine Formel. Und hier ist sie:

Selbstkonzept [Selbstbild+Feedback] – Ich-Ideal [eigene+fremde Erwartungen] = Selbstwertgefühl.

Natürlich ist das vereinfachend, aber recht stimmig: Eine Person mit einem hohen Selbstbild und geringen Ansprüchen (an sich) hat ein hohes Selbstwertgefühl. Eine Person mit einem hohen Selbstbild und einem hohen Anspruch (an sich) hat einen geringeren Selbstwert. Eine Person mit einem geringen Selbstbild und hohen Ansprüchen (an sich) hat einen negativen Selbstwert.

Entscheidend für mich als Systemiker ist nun aber, dass wir unseren Selbstwert selbst bestimmen [können] (und dies besser nicht durch Absenken der „Ansprüche“, sondern durch Neudefinieren des „Selbstbildes“). Vielleicht mag ich Sie auch nicht einfach so mit einer Formel ziehen lassen..:
Das, was ich nämlich nicht über unser „Selbstbild“ ausführte (allerdings schon eher in dem Artikel über das „Behalten von Problemen„), ist die feste Annahme, dass wir unser Selbstbild „selbst bilden“. Sie kennen diese Geschichten, vom „Aufhören wollen mit dem Rauchen“ (was uns immer daran gehindert hat, gesünder zu leben) oder über die schlechte Kindheit, die wir hatten (was uns eventuell bis heute daran hindert, selbst Verantwortung für eine eigene Familie zu übernehmen), etc.
Ich will Niemandem zu nahe treten (auch mir selbst nicht). Aber die Geschichten, die wir erzählen von unserer Vergangenheit, [sollen] erklären, warum wir so sind, wie wir sind. Und das bedeutet ebenso: Unsere Vergangenheit ist [für uns] so, wie die Geschichten, die wir über sie erzählen!

Die Schamanen am Amazonas zum Beispiel gehen davon aus, dass es gar keine Vergangenheit gibt. Es gibt nur das, was wir über sie erzählen – und das ist ein Abbild unserer Seele. Es geht nicht darum, welches Ereignis uns eventuell traumatisiert oder besonders erfreut hat, sondern darum, wie wir selbst dieses Ereignis empfunden haben. Die Schamanen sagen nun als Lösung (ich sage mal vorsichtig ‚bei dem einen oder anderen Problem‘):
„Dann ändere Deine Vergangenheit.“

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